Teppichkunde Gabbeh Bern

Teppichkunde

Die vorliegende Teppichkunde ist nur ein kleiner Abriss, um dem Laien die orientalische Teppichkultur etwas näher zu bringen.
Wer sich intensiver mit dem unendlich vielschichtigen Thema der Orientteppiche auseinandersetzen, und die Kunst und Kultur dieser faszinierenden Welt ergründen will, den möchten wir auf die vielen Bücher hinweisen, die darüber geschrieben wurden.
Unsere kleine Teppichgeschichte kann niemals umfassend sein, das würde den Rahmen dieser Homepage sprengen.
Wir hoffen, mit den folgenden Seiten Ihr Interesse zu wecken und Sie vielleicht schon bald im Kreise der Teppichliebhaber willkommen heissen zu dürfen.
Wir sind immer bereit, Ihnen unverbindlich unsere Teppich-Kollektion zu zeigen und Ihnen in diesem Zusammenhang Ihre Fragen zu beantworten.

Nomadenteppiche

Nomadenteppiche wurden und werden heute noch von umherstreifenden Stämmen geknüpft. Die Farben und Muster werden von Generation zu Generationüberliefert. Die Muster der Nomadenteppiche sind geometrisch oder sie stellen stilisierte florale, pflanzliche oder tierische Motive dar. Geknüpft wird ohne Vorlage, die  Knüpferinnen haben die Muster im Kopf.
Die Teppiche weisen viele kleinere und grössere Unregelmässigkeiten auf. Diese Unregelmässigkeiten gehören bei den Nomadenteppichen dazu, sie machen die Einzigartigkeit und den Charme dieser Teppiche aus. Der Gesamteindruck, die Ausgewogenheit der Muster, das Gefühl der Knüpferin für Formen, Proportionen und Farben lassen den Teppich zu einem einzigartigen Kunstwerk werden.
In den Nomadenteppichen spiegelt sich die Seele der umherziehenden Stämme, ihre Naturverbundenheit, ihre Freude am Spiel mit Farben und Formen. In der oft kargen, eintönigen Landschaft haben sie ein Bedürfnis, Farbtupfer zu setzen und ihre Sehnsucht nach fruchtbaren Gärten und bunten Blumen auszudrücken.
Traditionelle Nomadenteppiche enthalten immer das künstlerische Verständnis von vielen Generationen und sie offenbaren uns den Orient schlechthin.

Moderne Nomadenteppiche

Um den  Ansprüchen der westlichen Kundschaft entgegenzukommen, werden heute viele Teppiche in modernem Design geknüpft. Die Herstellung geschieht aber auch bei diesen Teppichen auf traditionelle Weise mit den traditionellen Materialien. Einzig die Muster wurden dem Zeitgeist angepasst.
Moderne Teppiche sind vor allem die Gabbeh. Sie werden von Nomadenstämmen in der Gegend von Shiraz (Süd-Iran) hergestellt.

Manufakturteppiche

Manufakturteppiche werden in Teppichmanufakturen oder in Heimarbeit von professionellen Knüpferinnen hergestellt.
Die Knüpferinnen arbeiten nach Vorlagen die von einem Meister, Künstler entworfen werden. Die Vorlagen sind farbig auf Millimeterpapier aufgezeichnet. Jedes Millimeterquadrat stellt einen Knoten dar. Die Muster sind sehr vielfältig; Ranken, Arabesken, geometrische oder natürliche (naturnahe) Muster wie Blumen, Bäume, Tiere, Menschen und Bilder in allen Variationen sind anzutreffen.

Die Muster, die ursprünglich bestimmten Orten oder Gebieten zugeordnet werden konnten, haben sich im Laufe der Jahrhunderte durch Umsiedlung der Künstler in andere Gegenden untereinander vermischt. Nicht nur für den Laien ist es heute deshalb oft schwierig, die Provenienz der einzelnen Knüpferzeugnisse zu bestimmen.

Manufakturteppiche sind immer von Hand hergestellt, es handelt sich nicht um Maschinen-Teppiche.

Die Knüpfstühle

Der horizontale Knüpfstuhl

Dieser wird von den Nomaden verwendet. Die Kettfäden werden auf zwei am Boden liegende Bäume aufgezogen. Die Knüpferinnen arbeiten im Schneidersitz. Bei Standortwechsel der Nomaden, können die Knüpfstühle eingerollt und am neuen Ort wieder ausgerollt, gespannt und fixiert werden.

Der vertikale Knüpfstuhl

Wird in Manufakturen und von sesshaften Knüpferinnen in ihren Wohnungen verwendet.
Die Knüpferin sitzt dabei auf einer Bank vor dem Webstuhl.

An breiten Teppichen arbeiten oft mehrere Knüpferinnen nebeneinander.

Knüpftechniken

Senneh- oder persischer Knoten. Dieser wird um einen Kettfaden herumgeschlungen und unter dem zweiten hindurchgezogen. Zwischen zwei Kettfäden wird immer ein Florfaden emporgezogen.

Ghjördes- oder türkischer Knoten. Dieser wird um zwei Kettfäden geschlungen. Die beiden den Flor bildenden Enden werden zusammen zwischen den zwei umschlungenen Kettfäden emporgezogen.

Materialien

Wolle von Schafen, Ziegen oder Kamelen / Verwendung für Kette, Schuss, und, oder Flor.
Baumwolle / Verwendung für Kette und, oder Schuss.
Naturseide / Verwendung für Kette, Schuss und, oder Flor.

Kelims

Kelim bedeutet Flachgewebe. Es ist also ein Gewebe ohne Flor.
Kelims fristeten lange Zeit ein Schattendasein im Teppichhandel.
Die Kelim-Produktion wird fast auf der ganzen Erde betrieben. Techniken und Muster der verschiedensten Provenienzen gleichen sich manchmal auf verblüffende Weise.
Die orientalischen Kelims weisen eine unglaubliche Vielfalt an Mustern auf. Es gibt etwa ein Dutzend verschiedener Webtechniken. Diese hier vorzustellen würde zu weit führen.
Kelims werden auf horizontalen und vertikalen Webstühlen hergestellt, analog den Knüpfteppichen.

Ursprung

Über den Ursprung der Orientteppiche wissen wir noch wenig. Vielleicht werden wir darüber auch nie genaueres erfahren. Teppiche werden aus Naturfasern hergestellt und diese haben leider keine unbegrenzte Lebensdauer. Vor dem Jahre 1947 konnte man die Entwicklung der Orientteppiche bis etwa ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Aus dieser Zeit stammen die bis dahin ältesten Teppichfragmente.
Bisher hatte man angenommen, dass die künstlerisch hochstehenden Knüpfteppiche relativ spät entstanden.
Im Jahre 1947 wurden die bisherigen Theorien Über den Haufen geworfen. Russische Wissenschaftler hatten beim öffnen eines Hügelgrabes eines Skythen Fürsten im südsibirischen Altajgebirge, im Pazyryktal einen Teppich gefunden, der, wegen dem Eindringen von Wasser in eine Grabkammer und dem anschliessenden Gefrieren in dieser Permafrost Zone, über 2½ Jahrtausende konserviert wurde.
Der so genannte Pazyryk Teppich, 200 x 182 cm, von höchster künstlerischer Qualität und mit einer Knotenzahl von 400000 pro Quadratmeter belegt, dass die Entstehung von hoch entwickelten Knüpferzeugnissen sehr viel älter ist, als bisher angenommen.

Vermutlich haben Nomaden in grauer Vorzeit mit dem Knüpfen von Teppichen begonnen, um den Boden in ihren Zelten zu isolieren. Knüpfteppiche eigneten sich dazu besser als Tierfelle und sie konnten leicht gefaltet und bei Standortwechseln gezügelt werden.
Wann begonnen wurde Figuren und Ornamente in verschiedenen Farben zu knüpfen wissen wir nicht.
Viele Motive haben Symbolcharakter. Andere sind wohl Nachknüpfungen von Mosaiken und farbig verzierten Keramikplatten.

Provenienzen

Orientteppiche werden von Nordafrika über den nahen Osten bis nach China geknüpft.
Die wichtigsten Länder sind der Iran (Persien) und die Ost-Türkei.
In diesen Gebieten vermutet man auch den Ursprung dieser wunderbaren menschlichen Erfindung.

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